Schwerpunkt Verkehrsmuster

Als Folge der vom Bundesrat erlassenen Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung und dem Beginn der «ausserordentliche Lage» am 17. März nimmt der Verkehr in Basel deutlich ab. Anhand von zwei stark frequentierten Zählstellen wird der Effekt analysiert.

Welche Auswirkungen hat COVID-19 auf den Verkehr auf baselstädtischen Strassen?

Am 25. Februar 2020 wurde in der Schweiz erstmals ein Fall des neuartigen Coronavirus bestätigt. Um die Ausbreitung des Virus unter Kontrolle zu bringen, verschärfte der Bundesrat die Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung sukzessive und erklärte schliesslich am 16. März 2020 die «ausserordentliche Lage» (Beginn am 17. März um 00:00 Uhr).

Eine Analyse der vom Amt für Mobilität erhobenen Verkehrszähldaten zeigt die Auswirkungen der Pandemie und den damit verbundenen Massnahmen des Bundesrates auf den motorisierten Individualverkehr sowie den Veloverkehr. In der Folge werden beispielhaft zwei stark frequentierte Zählstellen analysiert.

Deutliche Verkehrsabnahme seit dem Lockdown

Die Zählstelle «Nauenstrasse 73» war in den letzten Jahren die von Motorfahrzeugen am stärksten frequentierte Zählstelle im Kanton Basel-Stadt. In der Woche vor dem Lockdown (Dienstag 10. März bis Montag 16. März 2020) fuhren dort an Werktagen durchschnittlich 35'206 Motorfahrzeuge vorbei, am Wochenende 22'343.

  • In der Woche 1 des Lockdown (17. bis 23. März) waren es an Werktagen lediglich noch 25'899 Motorfahrzeuge, dies entspricht einem Rückgang um 26%.
  • In Woche 2 (24. bis 30. März) waren es an Werktagen 23'918 bzw. 32% weniger Motorfahrzeuge als vor dem Lockdown.
  • An den Wochenenden war das Verkehrsaufkommen beinahe halb so gross (Rückgang um 48% am ersten Wochenende, um 45% am zweiten).

Am meisten Velos wurden in den letzten Jahren an der Zählstelle «Wettsteinbrücke» gezählt. In der Woche vor dem Lockdown fuhren dort an Werktagen durchschnittlich 8'393 Velos vorbei, am Wochenende 3'874.

  • In der Woche 1 des Lockdown waren es an Werktagen 5'374 (-36%), in Woche 2 noch 4'267 (-49%).
  • An den Wochenenden beträgt der Rückgang 49% in der ersten und 40% in der zweiten Woche, verglichen mit dem Wochenende vor dem Lockdown.

Unterschiede nach Tageszeit und Wochentag

Werden die ersten zwei Wochen seit dem Lockdown (Di, 17.03.2020 bis Mo, 30.03.2020) mit dem analogen Zeitraum aus dem Vorjahr (Di, 19.03.2019 bis Mo, 01.04.2019) verglichen, so zeigt sich an Werktagen ein Rückgang des motorisierten Individualverkehrs an der Zählstelle «Nauenstrasse 73» um 29%.

Am geringsten sind die Unterschiede zu Stosszeiten, es gibt also trotz Homeoffice weiterhin eine ausgeprägte Morgen- und Abendspitze. Vermutlich auch deshalb, weil viele Pendler mit dem Auto anstatt dem ÖV zur Arbeit gehen.

Relativ betrachtet hat sich der Verkehr am späteren Abend am deutlichsten reduziert (rund ein Drittel der Vorjahreswerte).

Am Wochenende fällt der Unterschied deutlicher aus (-60% im Vergleich zu 2019). Dies ist konform mit der Annahme, dass die Bevölkerung private Fahrten auf Empfehlung des Bundesrates möglichst auf ein Minimum beschränkt hat.

Zu jeder Tageszeit waren deutlich weniger Motorfahrzeuge unterwegs.

Am stärksten ist die relative Abnahme spätabends und in der Nacht.

An der Velo-Zählstelle «Wettsteinbrücke» zeigt sich in den ersten zwei Wochen seit dem Lockdown an Werktagen ein Rückgang beim durchschnittlichen Tagesverkehr um 51% im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Jahr 2019.

Die Morgen- und Abendspitzen sind zwar noch vorhanden, jedoch weniger ausgeprägt (noch etwa halb so gross).

Die relative Abnahme ist wiederum in den späten Abendstunden am stärksten.

Am Wochenende überquerten rund 60% weniger Velos die Wettsteinbrücke als im Vorjahr.

Zu jeder Tageszeit wurden deutlich weniger Velos gezählt als im Vorjahr.

Auch hier ist die relative Abnahme in der Nacht und in den späten Abendstunden am stärksten ausgeprägt.

Wie sieht es bei den anderen Zählstellen im Kanton aus?

Die oben beschriebenen Muster können natürlich je nach Zählstelle anders aussehen. Insbesondere das Ausmass des Rückgangs des durchschnittlichen Tagesverkehrs variiert je nach Zählstelle erheblich. Verglichen wurden nur diejenigen Zählstellen, welche an allen betrachteten Tagen in Betrieb waren.

An der Grenze bzw. in Grenznähe sind die stärksten Rückgänge (Vergleich der Wochen 1 und 2 des Lockdown mit denselben Wochen im Vorjahr) beim motorisierten Individualverkehr zu beobachten.

Die am stärkste betroffene Zählstelle ohne Nähe zur Grenze ist an Werktagen «413 Gundeldingerstrasse 107». Ein Teil des Effekts ist aber durch die baubedingte Sperrung der Gundeldingerstrasse zwischen Zwinglihaus und Viertelkreis-Kreuzung zu erklären.

Bei den Velozählstellen ist es ebenfalls eine Zählstelle in Grenznähe, welche den stärksten Rückgang beim durchschnittlichen Tagesverkehr verzeichnet.

Aber beispielsweise auch auf dem Heuwaage-Viadukt und auf der Wettsteinbrücke wurden deutlich weniger Velos gezählt.  

Hinweis: Die Daten für März und April sind noch nicht plausibilisiert.