Ein historischer Blick auf den Strassenverkehr in Basel

Im Dezember 2021 erscheint das Statistische Jahrbuch des Kantons in seiner 100. Ausgabe. Zu diesem Jubiläum werden alle Jahrbücher digitalisiert auf der Internetseite veröffentlicht. Als kleiner Vorgeschmack auf dieses Ereignis werden sowohl im Dossier Basel als auch im Internet ausgewählte Themen aus einer historischen Perspektive beleuchtet. Wir starten mit einem Blick auf Basels Strassen.

Seit 1925 gilt der Strassenverkehr in den Augen der Statistik als «alltägliche Erscheinung» und ist damit zum «einwandfreien Objekt der statistischen Beobachtung» geworden.

Einblick in die Historie der Unfallstatistik

Strassenverkehr entwickelt sich zum neuen statistischen Thema

Das erste Statistische Jahrbuch erschien vor bald 100 Jahren im Frühling 1923 mit den Daten von 1921. Damals spielte der Verkehr in Basel noch keine derart wichtige Rolle, dass es von Seiten der Politik notwendig erschien, diesen Bereich statistisch zu erfassen. Das sollte sich allerdings schnell ändern:

  • In der ersten Ausgabe 1921 erscheinen 3 Tabellen zu den Betriebsergebnissen der Strassenbahnen.
  • Im Jahrbuch von 1922 finden sich Angaben zum Strassenareal (Belag, Oberflächenteerung: geteerte Fahrbahnen und Trottoire).
  • 1923 wurde die erste Tabelle zum Thema Strassenverkehr publiziert: Ausgewiesen wurden die erteilten Fahrbewilligungen nach Fahrzeugkategorie sowie die jeweilige Anzahl Fahrzeuge auf 1000 Einwohner als jährlich verfügbare Daten seit 1915.

Verkehrsunfälle nehmen rapide zu

Bereits vier Jahre später werden Verkehrsunfälle zu «alltäglichen Erscheinungen und sind aus diesem Grunde ein einwandfreies Objekt der statistischen Beobachtung geworden».

Im Statistischen Jahrbuch von 1925 finden sich die ersten Zahlen zu verschiedenen Fahrzeugen und den registrierten Unfällen:

  • 1910 belief sich die Zahl der im Kanton angemeldeten Automobile auf 306; 1925 waren es bereits über 2 000.
  • Die Anzahl Motorräder erhöhte sich im gleichen Zeitraum von 112 auf 621.
  • Die Anzahl Fahrräder nahm von 11 831 auf 26 868 zu.
  • Die Betriebslänge der Strassenbahn im Kantonsgebiet vergössert sich in diesen 15 Jahren um rund 14 km.
  • 1924 wurden 192 Unfälle gemeldet, 1925 schon 337.

Entwicklung der Unfallzahlen und des Fahrzeugbestandes

Kumuliert man alle Strassenverkehrsunfälle der vergangenen knapp hundert Jahre (1924-2020), resultiert Folgendes:

  • Insgesamt ereigneten sich 173 559 Verkehrsunfälle. Involviert waren Fuhrwerke, Autos, Motorräder, Fahrräder, E-Bikes, Trams, Busse und Fussgänger.
  • Dabei wurden 78 875 Personen verletzt und 1 236 getötet.

Setzt man die Strassenverkehrsunfälle in Bezug zur Anzahl zugelassener Fahrzeuge, zeigt sich, dass die Entwicklung nicht parallel verläuft: Während die Unfälle mit Personenschaden ab 1962 wieder abnehmen, steigt die Anzahl zugelassener Fahrzeuge kontinuierlich.

Im Jahr 2020 ereigneten sich auf den Basler Strassen 315 Unfälle mit Personenschaden. Dabei verletzten sich insgesamt 363 Personen, 266 leicht und 97 schwer. Somit verunfallte im Strassenverkehr durchschnittlich alle 24 Stunden eine Person.

Neuralgische Punkte des Basler Strassennetzes 1930-1940

Seit dem 1. Januar 1925 wurde für jeden polizeilich erfassten Unfall eine Zählkarte erstellt. Am Ende des Jahres konnten mit Hilfe der Karten die Unfallstellen aufgezeichnet werden.

«Für die systematische Gliederung der Unfallorte wurde das Strassennetz in Plätze, Strassenkreuzungen, Strassengabelungen, übrige Strassen und Brücken eingeteilt.»

Am meisten Unfälle verzeichnete die Kantonspolizei an Kreuzungen, gefolgt von anderen, nicht weiter spezifizierten Orten, also in der Regel auf offener Strasse.

Im Schnitt ereigneten sich pro Jahr:

  • 405 Unfälle an Kreuzungen
  • 400 Unfälle an anderen Orten
  • 155 Unfälle an Gabelungen
  • 78 Unfälle auf Plätzen
  • 28 Unfälle auf Brücken.

Die folgende Grafik zeigt, wie viele Verkehrsteilnehmende im Schnitt an den jeweiligen Standorten an Unfällen beteiligt waren.

Neuralgische Punkte des Basler Strassennetzes 2011-2020

Auf welchen Strassen in Basel bzw. der Schweiz ereigneten sich besonders viele Verkehrsunfälle? Wo gab es Unfälle mit Verkehrstoten? Wo sind Fahrradfahrer besonders häufig verunglückt? Diese und weitere Fragen beantwortet die interaktive Unfallkarte im Geoportal des Bundes, welche auf dem Strassenverkehrsunfall-Register des Bundesamtes für Strassen ASTRA basiert. Sie enthält alle polizeilich registrierten Unfälle mit Personenschaden der Jahre 2011 bis 2020.

100 Jahre Statistik - welche Auswertungen sind möglich?

Seit 1921 erfasst werden:

  • Anzahl der polizeilich aufgenommenen Unfälle
  • Anzahl zugelassener Fahrzeuge
  • Unfallorte

In der Verkehrsunfallstatistik wird unterschieden zwischen:

  • Unfällen mit Personenschaden oder ausschliesslich Sachschaden
  • Unfallfolgen (unverletzt, verletzt, getötet)
  • Unfallursache
  • Unfallzeitpunkt

Methodische Brüche und Fallstricke:

Im Laufe der Jahre änderten sich oftmals die Zählweise bzw. wurden die Kriterien bei der Erfassung eines Unfallprotokolls mehrfach angepasst, so dass lange Zeitreihen nur mit gewissen Brüchen abgebildet werden können:

  • So wurden z. B. bis 1955 Unfälle erst ab einem Sachschaden von 100 Franken erfasst. Zwischen 1. April 1955 bis 1. Januar 1956 nur Unfälle mit Sachschaden ab 200 Franken. Seit 1. Januar 1976 nur Unfälle mit Sachschaden ab 500 Franken.
  • Die Unterteilung der Verletzten nach Verletztungsschwere (schwer und leicht) ist erst seit 1975 erhältlich.